Analyse von Reaktionen auf die Brexit-Abstimmung sowie von EU-Befürworterpositionen plus Kommentar

Journalisten lassen nach Brexit die Maske fallen
06.07.2016
<<Jakob Augstein bezeichnete das Referendum im „Spiegel“ als „Pest“. „Die Briten sind irre“, schrieb Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung, sie hätten beschlossen „sich selbst in den Kopf zu schießen.“ Beide Journalisten trafen einander auch noch im TV-Kanal „Phoenix“, um sich in einer rund zehnminütigen Gesprächsrunde vollkommen zu demaskieren. Für BILD-Redakteur Blome sei die Volksabstimmung Großbritanniens „tödlich für Europa“. „Demagogen, Schlappschwänze, Irre“ hätten die Leute „verdummt“, die Masse hätte sich den „gesunden Menschenverstand wegquatschen lassen“.
Demokratiefeindlich und stolz darauf?
Ähnlich, nur blumiger, formuliert es Jakob Augstein:
„Wir haben uns daran gewöhnt, zu sagen ,wir sind demokratisch‘ (…) Dass das in Wahrheit immer viel komplizierter war, haben wir irgendwie vergessen den Leuten beizubringen. Deutschland ist vor allen Dingen nach dem Zweiten Weltkrieg so erfolgreich gewesen, weil es eine unabhängige Zentralbank hatte: Null Demokratie. Ein unabhängiges Verfassungsgericht: Null Demokratie. Und eben diese beiden Institutionen, die das höchste Ansehen hatten, waren jene, die nicht demokratisch legitimiert waren. Hallo? Das wird vielleicht kein Zufall sein. Das bedeutet: Natürlich ist es ein Irrtum zu glauben, je mehr man die Leute fragt, desto besser ist das Ergebnis. Diese Referenden sind an sich falsch. Das ist das Problem. Und den Mut muss man haben, das den Leuten zu erklären. Und ehrlich gesagt müssen auch wir als Journalisten das den Leuten erklären.“ Danke für die Erklärung!>>

Quelle: https://www.wochenblick.at/journalisten-lassen-nach-brexit-die-maske-fallen/

 

=> Nicht fragen, Dikatur ist gefragt! Und das muß man den Leuten erklären, das müssen sie, diese Journalisten solchen Formats, daß die Bevölkerung tunlichst nichts mitzureden hat, nichts zu kritisieren hat und schon gar nicht – bööse bööööse – etwas zu entscheiden hat!!!

=> Aus der EU auszutreten ist geistesgestört, irre und dumm!! Dabeisein ist alles!! Vernünftig und verstandesmäßig muß man – na klar – für die EU sein!!

 

 

 

 

vor der BREXIT-Abstimmung:

Cameron und die Geschichtsbücher
14.10.2015

<<Für den britischen Premier David Cameron geht es beim Referendum über einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU um Alles oder Nichts – und zwar „um sein politisches Erbe“, wie der britische Politologe Michael Emerson sagt. Diese Frage in einer Volksabstimmung zu entscheiden sei aber, als spiele man „russisches Roulette“.>>

Quelle: http://orf.at/stories/2300707/2300674/

 

=> Demokratie ist böööse und schleeeecht!! Russisches Roulette – die falsche Entscheidung, und alle sind tot!! Eine Volksabstimmung über die Mitgliedschaft in einer internationalen Organisation ist schlecht und zu unterlassen! Das Volk hat über sein eigenes Schicksal tunlichst nichts zu entscheiden, sondern Umstände zu akzeptieren, so wie sie halt sind und so wie sie halt von jemanden gemacht wurden!

 

 

 

EU-Umfrage_Gut_nicht_gut

Auch wenn einige Wortmeldungen schon alt sind (Jahr 2007), findet man ähnliche Positionen oft auch heute noch:

<<JA, finde die EU gut
Stimme Edgar vollkommen zu! Die EU hat Probleme und es gibt auch Nachteile, aber insgesamt ergeben sich durch die EU viel mehr Möglichkeiten. Wenn sie so agieren könnte, wie es eigentlich gedacht ist, gäbe es eine wirklich starke Macht, die den Problemen dieser Welt wenigstens ein bisschen gewachsen ist und die die Mittel hat, überhaupt etwas zu unternehmen.>>

=> Möglichkeiten für wen? Wer ist der Gewinner dabei in der Praxis?
=> Macht!! Ja, wir brauchen ein Impeeeeriuuum!! Maaacht!!
=> Floskel „Die Probleme dieser Welt“ – was sind die Probleme dieser Welt? Welche denn konkret? Alle? Die EU kann diese lösen!! Jippijippijeyh!

<<Einzelne Staaten haben in der heutigen Zeit kaum noch Chancen, wenn sie nicht in Formen wie z. B. der EU zusammen finden.>>

=> Ja, klein und schwach ist schlecht in der Höhle des Löwen, im Dschungel des Lebens! Nur als großer hat man eine Möglichkeit, sich zu behaupten. Deshalb muß man sich dem Druck beugen, man muß sich den Gegebenheiten anpassen! Nicht gestalten, nicht formen – paße du dich an und kämpfe mit um Dschungel um das Überleben!! Das Leben ist ein Kaaaampf!! Nicht Ursachen hinterfragen, Nein! Lebe den Dschungel!!

<< JA, finde die EU gut
Offene Grenzen, eine starke internationale Währung, Förderung von Import und Export (dadurch wird unser aller Leben leichter und billiger – nur ist das keinem bewußt), eine stärkere Position in der Weltwirtschaft, einheitliche Regelungen – ich find die EU super!>>

=> wohlgemerkt, die Wortmeldung stammt aus dem Jahre 2007 („starke internationale Währung“)
=> Alle Dinge haben Vor- und Nachteile: „offene Grenzen“: 1x im Jahr ins Ausland fahren – super, kein Stau an der Grenze -> DIE EU IST SUPER!! Täglicher Räuberbandenverkehr aus dem Osten bis weit nach Mitteleuropa – wurscht. Ignorieren wir halt mal.
=> „eine stärkere Position in der Weltwirtschaft“: wirtschaftliche Entwicklungen sind temporäre Entwickungen – die Entrechtung wird bleiben, auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich ändern: die EU wird weiterhin entscheiden, die Souveränität – also staatliche Freiheiten – wurden bereits abgegeben! Jeder der dann aussteigen möchte ist dann ein „Rebell“, ein „Separatist“! Ein böser Mensch also, so etwas ähnliches also wie ein „Terrorist“, kaum besser. Ein EUROPAFEIND!! Ein EUROPAFEINDLICHER Mensch. Bist du gegen die EU, bist du gegen den ganzen Kontinent, dessen Gestein, dessen Länder und dessen Menschen! Du bist dann der FEIND!!!

 

<< JA, finde die EU gut
Die EU ist richtig und gut. Natürlich gibt es auch Dinge die nicht passen. Solche Probleme gibt es aber auch in jedem einzelnen Staat.>>

=> Die Meldung ist schon aus dem Jahr 2007, drum wollen wir mal nicht so streng sein. Aber sehen wir das mal aus der heutigen Sicht. Ja, beispielsweise einen Eurorettungsschirm hätte es selbstverständlich auch in jedem anderen Land geben können. Den ESM. Oder die Versuche zum Zwingen eines anderen Landes, Flüchtlinge aufzunehmen. Oder Gesetzgebung, die den Größtkapitalisten zugute kommt (wäre in allen einzelnen Staaten viel schwieriger zu beeinflussen gewesen). Eine Wirtschaftsordnung, die die kleinen umbringt. Eine höhere Konkurrenz (EU-weit und bald auch Frehhandelsabkommenweit (TTIP, …)) die ebenfalls die lokalen Firmen umbringt und eine Chance auf Erfolg beim Versuch sich selbständig zu machen sehr stark verschlechtern. Allerdings konnten, können und werden immer noch über die EU „massenhaft“ Staaten – viele Staaten auf einem Streich – manipuliert werden!

 

<<Ohne EU geht gar nichts, es muss weitergehen, Vereinigte Staaten von Europa!>>

=> Vereinigte Staaten von Europa müssen her!! Dann wird alles gut!
<<Alles andere wäre Kleinstaaterei!>>

=> Kleinstaaterei!! Oh wie böse! Oh wie schlecht!! Mitsprache? Schlecht. Mitgestaltungsmöglichkeit? Schlecht. Mit anderen Bürgern kommunizieren können? Schlecht. Gut ist nur (idealerweise) ein Weltstaat, bei dem keiner mit einem Bruchteil der Bevölkerung kommunizieren kann, sich Probleme weltweit unterscheiden (und nicht eben regional sind) und das ganze System unüberblickbar und undurchschaubar ist. Ein Weltstaat kann nur mittels Diktatur geführt werden. Wer dafür ist, möge es sein (aber nur mit meiner Ablehnung dieser Positionen). Ich bin klar dagegen!

 

Quelle: http://www.gutefrage.net/frage/eu-ja-oder-nein

 

 

 

Irgendwo mal vernommene Meinungen:

 

„Die Frage ist nicht, EU Ja oder Nein, sondern welche EU. Die EU ist nur so schlecht, weil die Christdemokraten an der Macht sind und somit die Wirtschaftsmacht. Weil es in der EU zu wenig soziales gibt.“

=> Also, eine Europäische Union muß es geben. Die Frage ist nur, wie sie funktionieren soll. Aber Europa muß sich vereinigen. Das steht fest und ist indiskutabel.

 

„Ohne EU wäre unser Land nicht mehr überlebensfähig.“

=> Ja, unser Land würde zugrunde gehen, so wie die Schweiz, Island oder Norwegen!!

Realistisch hingegen wäre die Betrachtungsweise, daß sich die Wirtschaft in den ersten Jahren wieder umstrukturieren müßte, wieder regionaler werden würde und nach wenigen Umstellungsjahren die Wirtschaft wieder erfolgreich wäre. Im Zweifelsfall muß man auch sagen: besser weniger „Umsatz“ oder Gewinne oder Exporte, aber dafür Sicherheit (Versorgungsicherheit, da regional, da Know-How vorort, Arbeitsplatzsicherheit da kein Heuschreckentum, …) und langfristige Stabilität. Systeme müssen stabil sein! Der Kapitalismus ist nicht stabil, sondern endet immer mit Katastrophen („Wirtschaftsdiktatur“ (vgl. EU-Gesetzgebung), Diktatur, Mafiaherrschaft, Währungszusammenbruch, …)!

 

 

„Ja, was wäre denn dann mit der Wirtschaft, wenn wir nicht mehr in der EU wären?“

=> Na, sonnenklar: die Wirtschaft wäre erledigt! Österreichische Produkte würde ja keiner mehr kaufen. Auch vor dem EU-Beitritt Österreichs hatte Österreich ja gar keinen Außenhandel! Sowas ist ohne EU unmöglich!

Eventuell würden sich wieder lokale Firmen gründen können, weil die Konkurrenz aus der EU nicht mehr so groß ist, der Druck nicht mehr so groß ist. Weil man lokal und regional vielleicht dann wieder selbständiger und überlebensfähiger würde…

 

„Zölle sind schlecht. Siehe Merkantilismus.“

=> Zölle haben Vor- und Nachteile, wie alle Dinge. Der Vorteil ist, daß man als Staat die Möglichkeit hätte, Märkte zu schützen, wenn dies erforderlich wäre. Nicht ohne Grund hat sich das Zollsystem über Jahrhunderte gehalten und wurde bereits früh entwickelt! Außerdem dämpft es die Geschwindigkeit des schädlichen Fortschreitens des Kapitalismus (Konzentration von Kapital und damit Machtgewinn der Reichen).

 

 

Davon abgesehen: was würden Sie bevorzugen: Fremdbestimmung oder selbst (mit-) gestalten können?

 

 

 

(Alle Links funktionstauglich am 03.10.2016.)

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