Analyse: Ist Angst wirklich ein schlechter Berater?

Viele kennen wohl den Ausspruch: „Angst ist ein schlechter Berater/Ratgeber“.

 

Doch stimmt das wirklich? Kann man das so ungeschaut stehen lassen?

Wann ist Angst ein schlechter Berater, und wann nicht?

 

Führen wir einmal einen Falsifizierungsversuch durch: Wenn es Fälle gibt, in denen Angst kein schlechter Berater ist, dann ist die Aussage („Ausspruch“ -> oben) nicht voll und ganz korrekt.

 

Fiktives Beispiel

Es gibt 2 Gruppen von Menschen in irgendeinem früheren Zeitabschnitt. Die eine, nennen wir sie „Gruppe A“, fürchtet sich nicht vor Feinden und baut deshalb keine Verteidigungsanlagen. Die andere – Gruppe B – hat Angst, überfallen zu werden, was sie dazu bringt, Verteidigungsanlagen zu errichten, sich zu bewaffnen und sich im Umgang mit diesen Waffen zu schulen.

 

Die beiden Gruppen wohnen regional in der Nähe, aber doch einige Kilometer (sagen wir mal 28) auseinander.

 

Wir haben nun also den Fall, daß Gruppe A sich nicht fürchtet und sie somit keine Verteidigungsanlage um ihr Dorf errichtet hat.

Die Gruppe B hat Palisadenzäune errichtet und ein festes Haus in Burgfriedmanier.

 

Nun kommt es eines Tages dazu, daß eine Gruppe völlig fremder ins Land unserer Gruppen A und B eindringt und sich kriegerisch gegen diese verhält.

Die Gruppe A wird, da sie keine Verteidigungsanlagen hat, völlig überrascht und komplett ausgerottet. Es bleibt weder Mann, noch Frau, noch Kind am Leben.

Die Gruppe B hat ihre Verteidigungsanlagen. An diesen stürmen die Gegner an. Gruppe B hat aber, weil sie ja Angst vor Angriffen hatte, Waffen. Sie haben beim nahenden Angriff alle Schoten dicht gemacht und konnten sich erfolgreich gegen die fremden Angreifer erwehren, die nach einigen Tagen und stark dezimiert wieder von dannen zogen, um sich einen einfacheren Gegner zu suchen (so einen wie Gruppe A, die vorher bereits von ihnen ausgelöscht wurde).

 

Allein die Betrachtung dieser Geschichte zeigt bereits auf, daß es durchaus Fälle geben kann, in denen Angst von Nutzen sein kann und durchaus auch ein sehr guter Berater sein kann. Die Aussage ist somit widerlegt, bzw. ev. nur auf bestimmte Fälle anwendbar.

 

Analyse

Wir wollen nun diese Fälle identifizieren und von jenen grob trennen, wo die Aussage nicht zutreffend ist.

 

Angst ist – im Normal- und Gesundheitsfall – eine Reaktion auf eine Situation, die als Gefahr irgendeiner Art wahrgenommen wird, auf Gegebenheiten, auf eine Wahrnehmung, oder auch auf ein inneres Bild bzw. eine Vorstellung. Sie ist natürlich, und im Unterschied zur Behauptung von Proleten nicht schmählich oder schändlich, sondern einfach natürlich und muß weder bekämpft noch verleugnet werden, sondern soll wahrgenommen werden, da sie nun mal da ist. (Es wird aber sinnvoll sein, bei Bedarf zu trainieren, Angst schnell zu überwinden und in notwendige Reaktion zu wechseln.)

 

Was aber in jedem Fall sein sollte, ist daß der Verstand die Angst kontrolliert. Angst ist dann ein schlechter Ratgeber, wenn man sich allein von Angst – ohne Miteinbeziehung des Verstandes – leiten läßt. Angst kann einem Schwächen und Gefahren aufzeigen. Verharrt der Ängstliche nun in einer Schockstarre und ist nur mehr damit beschäftigt sich zu ängstigen, so ist Angst ein schlechter Ratgeber und wohl auch langfristig schädlich bzw. gesundheitsverschlechternd. (Im Ernstfall wäre soetwas womöglich auch tödlich.) Wird die Angst vom Verstand hingegen als Ratgeber erkannt und angewendet, d. h. man sieht und erkennt eine Gefahr, und der Verstand vermag, die Angst zu kontrollieren und verhindert somit, daß die Angst die völlige Kontrolle über den Menschen erlangt, sondern der Verstand verwendet nun die von der Angst gelieferten Idee einer Gefahr um sich auf diese vorzubereiten, indem er sie reduziert oder auslöscht, so ist die Angst ein sehr guter Ratgeber!

D. h. wenn man Ängste in Form von Risikomanagement verwendet, sodaß man Gefahren und eigene Schwächen erkennt und diese bewertet bzgl. ihrer Gefährlichkeit und Auswirkungen, und sich dann Lösungs- oder Reaktionsmöglichkeiten für das Eintreten des Risikos überlegt, so ist die Angst wirklich ein ausgezeichneter Ratgeber.

Verleitet die Angst zur Starre, ist sie ein sehr schlechter Ratgeber. Verleitet die Angst zur Handlung, kann sie – abhängig von der Handlung – ein guter oder ein schlechter Ratgeber sein.

(Beispiel: Hat jemand von einer anderen Person Angst, und bringt sie ohne konkrete unmittelbare Gefährdung um, so wird er damit wohl eine schlechte Entscheidung getroffen haben (Recht, Gesetze, Gefängnis, Todesstrafe, Rache der Angehörigen, …) und die Angst war ein schlechter Ratgeber. Entscheidet sich der Ängstliche jedoch, zu Trainieren zu beginnen und sich mit Kampfsport und dem Umgang mit Waffen zu beschäftigen – ohne eine Obsession, sondern gelenkt durch den Verstand und aufgrund einer vernünftigen Entscheidung – so war die Angst ein guter Ratgeber.)

 

Wir sehen also, daß die eingangs dargelegte Aussage nicht korrekt ist, sondern daß Angst unter bestimmten Rahmenbedingungen auch ein sehr guter Ratgeber sein kann, vor allem auch ein lebensrettender.

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