Proletentum – die Proletenkultur und ihre Ausprägungs- und Religionsvarianten

Die Proletenkultur basiert auf der grundlegenden Ansicht, daß der Mensch nur oder vordergründigst ein Tier sei – eines von vielen Arten von Tieren, und nicht mehr als ein Tier. Sie leugnet also die menschliche Seite am Menschen und hebt seine tierische hervor. Oder sie lehnt die menschliche Seite ab. Die spezifisch menschliche Seite des Tieres Mensch liegt insbesondere im geistigen Bereich, in der rationalen Denkfähigkeit, in seinem im Vergleich zu anderen Tieren relativ hohen Grad an Bewußtsein, im spirituellen Erleben, in der Fähigkeit zur Abstraktion und zum kreativen und zum abwiegenden Denken. In seinem Streben nach Freiheit, Erfüllung und Weiterentwicklung. In seiner Liebe zur Kunst, zur Musik, dem Gefühl für Schönheit.

Die Proletenkultur lehnt diese menschliche Seite am Menschen ab, verachtet sie oder leugnet ihre Existenz, schmäht sie, spielt sie herunter oder stellt ihren Wert in Abrede. Für die Proletenkultur zählt nur die tierische Ebene im Menschen, die zweifellos auch vorhanden ist. Da geht es nur um Stärke, Dominanz, Herrschaft, Ansehen, Stolz, Ehre, Durchsetzung und vor allem Gefällen, die zum eigenen Gunsten stehen müssen. (Wer ist der Bessere? Wer der Reichere, die Schönere, …?) Auf andere Herabzublicken und diese zu erniedrigen oder in den Dreck zu stoßen ist ja lustig und dient der eigenen Selbstdarstellung und Positionierung. Das eigene Höherstehen, sich als stärker und überlegen zu fühlen, Arroganz und Fremdbild sind dem rein tierischen Menschen wichtig. Gewalt auszuüben, auch wenn man keiner ausgesetzt war – das ist typisch für die Proletenkultur. Faustrecht. Action, Kampf, Gewalt und Sieg.

Während die menschliche Seite die Anerkennung des anderen, dessen Eigenständigkeit und die Freiheit und den Freiraum des Einzelnen respektiert und schätzt, die Andersartigkeit akzeptiert, ignoriert die tierische Seite solche Verhaltensweisen als mögliche oder denkbare Optionen. Weshalb nicht runtermachen, wenn man auch den freundschaftlichen Kontakt suchen könnte, weshalb nicht die Gelegenheit zum einzig eigenen Vorteil nutzen, anstatt umsichtig und rücksichtsvoll zu aller Nutzen zu handeln? Weshalb auf nur einen Groschen verzichten, wenn es für das Gemeinwohl sinnvoll wäre? Weshalb Verständnis suchen, wenn man den Anderen auch lächerlich machen kann. Weshalb den Konsens suchen, wenn man auch den eigenen Vorteil wählen und die eigene Gier bedienen kann? Weshalb dem anderen in einer schlechteren Position nicht Geld oder Energie rauben, wenn sich die Gelegenheit doch bietet? Weshalb nicht einfach auf Kosten anderer leben, wenn dieser doch zu schwach ist, um sich gegen die Ausbeutung zu wehren? Immerhin herrscht ja das Gesetz der Natur, das Gesetz des Stärkeren. Weshalb zivilisiert sein, wenn man auch primitiv sein kann – und das ist ja so lustig!

Die Proletenkultur ist in verschiedenen Ausprägungen und Variationen weltweit zu finden. Im Laufe der Geschichte gehen wohl die meisten Kriege auf Varianten einer solchen Proletenhaltung zurück. Der Wille zur Macht, zur Herrschaft, zur Dominanz und zur Unterdrückung. Der Geltungsdrang und der soziale Status.

Tiermensch vs. Menschmensch.

Rollen sind den Tiermenschen/Proleten sehr wichtig – wichtiger als der Mensch und dessen Ähnlichkeiten. Lieber drüber stehen als am gleichen Niveau zu stehen. Lieber einen vom gleichen Niveau runterstoßen, weil man da ja selber auf dieser Ebene dann mehr glänzen kann, wenn weniger Konkurrenten oder Reflektoren mehr auf dieser Ebene stehen.

Sie denken in Rollen und Kategorien, wie jemand entsprechend ihrer Kultur sein muß, und sie bewerten jede Person nach diesen Kriterien. Fleißig, viel Geld aufbieten könnend, geschickt, schnell, gevievt, … Je mehr andere man übers Haxl gehaut hat, desto besser.

Man selbst ist dann immer das positive, das einen in die Elite, zu den Besten gehörig, reiht. Die anderen sind im Zweifelsfall immer viel schlechter als man selbst – eine realistische Bewertung wird vom Tiermenschen dabei selten gesucht. Der Niveauunterschied ist wichtig.

Das ist ein wichtiger Unterschied zum Geistmenschen (quasi der „Menschmensch“ dem das Menschliche wichtig ist im Gegensatz zum „Tiermenschen“ dem das tierische im Menschen wichtig ist). Dieser verhält sich auch ev. differenzierend und selektiv, aber der Tiermensch tut dies für sein eigenes Ansehen, der Geistmensch zwecks Selbstschutz.

Die Proletenkultur scheint auch in manchen Religionen ihren Ausdruck gefunden zu haben. Es ist erkennbar, daß sich diese Kultur auf unterschiedlichen Ebenen abbildet: auf der der Kulturgemeinschaft, auf der der biologischen Abstammung, auf der sozialer Kasten, auf der der Religion …

Somit definieren sich solche Gruppen eben über ihre Kultur, über ihre Rasse, über ihren Stand, über ihre Religion, … und die anderen, die nicht dazu gehören, sind ihre Gegner, die sie ablehnen, oder gar ihre Feinde.

Da der Tiermensch seine Gruppe als anderen Gruppen überlegen ansieht, führt dies selbstredend – insbesondere auch unter Bezugnahme auf kulturspezifische Prolentenverhaltensweisen wie einen anderen Runtermachen um selbst gut dazustehen, einen anderen Zusammenschlagen zum selben Zweck, Schmähungen die auf eine körperliche Auseinandersetzung oder eine Erniedrigung hinauslaufen sollen (wieder also, um selber besser dazustehen – das alles sind unterschiedliche Varianten des Erzeugens eines Gefälles durch Behauptung oder Proletencharakterausspielung) – zu vermehrten Konflikten.

Während die einen ihre Religion weltweit durchsetzen wollen und dazu alle, die sich ihrer Kultur nicht unterwerfen wollen, umzubringen beabsichtigen, um ihrer Kultur/Religion die Weltherrschaft zu bringen, machen andere das selbe auf Ebene der Rasse, der Nation, der Ideologie, …

Es bleibt nur noch die Frage zu stellen, ob, wenn es schon einen gemeinsamen Nenner – nämlich die Proletenkultur – gibt, nicht auch einen gemeinsamen Nutznießer hinter solchen Systemen geben könnte. Einen oder viele?

Wem nützt ein solches Verhalten wirklich?

  
  
 

Dieser Artikel benutzt den Begriff „Prolet“ nicht im Kontext eines Arbeiters, sondern eines gewaltwilligen Rabauken:

  

„Die Serie schafft Kunstfiguren, die dem weitverbreiteten Klischee vom Proll (Bierkonsum, Autotuning, Rowdytum, Gewaltbereitschaft, vulgäre Sprache etc.) entsprechen.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Prolet

  

„Als Rowdy (englisch rowdy (Subst.) „Rabauke, Schläger“, rowdy (Adj.) „rüpelhaft, gewalttätig“, vgl. row „Krawall, Schlägerei“) wird im Deutschen ein (junger) Mann bezeichnet, der sich in der Öffentlichkeit flegelhaft und gewalttätig aufführt. Der Begriff steht damit den Begriffen „Krawallmacher“ und „Randalierer“ nahe.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rowdy

  

(Alle URLs funktionstauglich am 27.04.2016. Zitate von der Version zu diesem Datum.)

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