Sinnvolle politische Maßnahmen zur Verhinderung von Extremkapitalismus

Wie ist das Wirtschaftssystem zu reformieren? Wie sieht ein langfristig möglichst stabiles Wirtschaftssystem aus?

Zum einen muß klar sein, daß der Kapitalismus eine ungeregelte, also völlig natürliche, Wirtschaftsform in Reinkultur bedeutet. Und wie auch in der unregulierten Natur gibt es da Hochs, Tiefs, Überschwemmungen, Dürreperioden, Seuchen und Massensterben.

 

Da der Mensch das nicht will, sollte er danach trachten, die Natur auch hier zu zähmen wie es sinnvoll erscheint, wobei mit Augenmaß vorgegangen werden muß. (Auch hier wäre ein über die Stränge schlagen – z. B. mittels Kommunismus wo dann keiner mehr Eigentum hat aber die Großschädlerten alles nutzen dürfen und anschaffen, gestalten und Macht ausüben können und die Bevölkerung mit Diktatur und Propaganda auf der ungewollten Linie gehalten wird – kontraproduktiv.) Es ist also wie immer der Mittelweg als das Gesunde zu betrachten, da übermäßige Hitze verbrennt und dursten läßt und übermäßige Kälte einen erfrieren und ebenfalls verdursten läßt.

 

Es kann nicht sinnvoll sein, jegliches Privateigentum zu verbieten – welchen Sinn sollte das haben? Vielmehr sollte man sich die Frage stellen, wem soeine Situation dienen könnte? Es kann auch nicht sinnvoll sein, den Kapitalismus wuchern zu lassen, wie er das ohne Regulierung ganz natürlich tut (Verschönerungsfloskel „Liberalismus“) und dabei regelmäßig zu Katastrophen führt.

Das Positive des Gestaltungssinns und des Eigenantriebs des Unternehmertums sollte nicht verachtet und muß auch honoriert werden. Auf der anderen Seite kann und darf es nicht sein, daß der Unternehmer 90 % des Gewinns einstreift, während die Arbeitnehmerschaft sich die restlichen 10 % aufzuteilen hat. Vielmehr wäre es sinnvoll, gesetzlich vorzusehen, daß ab einer bestimmten Mitarbeiteranzahl der Firmeneigentümer oder die Gesellschafter ein fixes Gehalt bekommen sollen und zusätzlich die private Gewinnentnahme nicht mehr als das 6-, 7-, 8-fache (die genaue Grenze wird wohl zu diskutieren sein) des Durchschnitts der 5 niedrigstverdienendsten Mitarbeiter betragen darf. Das erhöht auch die Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Weiters muß ab einer bestimmten Existenzdauer eines Unternehmens auch irgendwie sichergestellt sein, daß der Eigentümer die Unternehmung nicht mehr einfach so auflösen kann, nur weil er es will und dadurch 130 Leute arbeitslos werden, wenn es keine zwingenden wirtschaftlichen Gründe für eine Auflösung des Unternehmens gibt (z. B. zu viel Konkurrenz in diesem Marktsegment, Konkursgefahr, …).

Der Unternehmer soll also ruhig viel verdienen dürfen. Wichtig ist nur, daß er diesen angehäuften Haufen nicht an seine Kinder 1:1 weitervererben kann, die dann über ein leichtes ihre Dynastie fortführen und mit wenig Arbeit noch reicher werden, was langfristig die gesamte Volkswirtschaft schädigt, weil es zu einer Umverteilung von Vermögen in Richtung einer Singularität kommt, und somit viele Geben, Verzichten und dadurch Darben müssen.

Viel Geld/Kapital/Vermögen ist eine Gefahr, wenn es mißbraucht wird, was üblicherweise allein schon durch das Vorhandensein von viel Geld leicht möglich ist. Beispielsweise Erpressung der Gemeinde mit einem Abzug vom Standort, wenn diese nicht auf die Grundsteuer verzichtet. Oder ähnliches. Oder aber die Beschaffung besserer Maschinen mit höherer Produktionsqualität und höherer Stückzahl, was wiederum die gesamte Branche unter Druck setzt und woanders Arbeitslose und Druck in der Arbeitswelt produziert.

Die gesamte Wirtschaft muß sich über Jahrzehnte hinweg in einem gesunden Bereich mit oberer und unterer Grauzone bewegen, wo Fuzzy-Logic zur Kontrolle und zur Steuerung einzusetzen ist.

Die wichtigsten Punkte in diesem Wirtschaftssystem sind: dem natürliche Extremkapitalismus mit all seinen Unbillen ist nur sinnvoll beizukommen, indem er durch Umverteilung von oben nach unten in einer gesunden Bandbreite gehalten wird. Dabei ist Gleichheit kein Ziel. Intelligenz, Begabung, Engagement, Kreativittät und Leistung sollen belohnt werden – denn sie bringen auch Arbeitsplätze, wenn sie volkswirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden. Leistung muß belohnt werden. Aber alles muß sich in gewissen Grenzen abspielen. Soziale Gerechtigkeit ist durch die ordentliche Umverteilung sicherzustellen. Weil das über mehrere Generationen nicht ausreichen würde, um das Fortschreiten der natürlichen Entwicklungswege des Kapitalismus zu verhindern, ist es unerläßlich, auch als zweite Hauptmaßnahme die Vererbung von Vermögen zu beschränken. Ein Wohnhaus soll ruhig weitergegeben werden können. Ein Unternehmen sollte nach dem Tod des Gründers allerdings zu einem gewissen Ausmaß in das Eigentum der Arbeitenden übergehen. Dabei wird eine prozentuelle Regelung sinnvoll sein.

Beispielsweise:

Gründung: Der Gründer hat 100 % Eigentum an seiner Firma. Sobald er aber 200 Leute beschäftigt, bekommen diese einen Gewinnanteil von 10 % zugeschrieben. Dadurch daß die Angestellten gewinnbeteiligt sind steigt auch ihre Motivation. Persönliche Leitungen werden natürlich wie üblich über das Gehalt geregelt. Der Enkel dieses Meister des Wirtschaftens soll allerdings nicht die gesamte Bude verscherbeln dürfen und sichs mit dem Geld durch Verprassen gut gehen lassen. Ab einer gewissen Größe eines Unternehmens muß verhindert werden, daß dieses Unternehmen einfach so abwandern oder zerschlagen werden kann, weil dieses dann ja bereits ein relevanter Faktor der regionalen Volkswirtschaft geworden ist. Das verhindert eine Erpreßbarkeit der öffentlichen Hand durch Großkapitalisten. Großkapital hat übrigens auch immer wieder die Tendenz zur Entwicklung mafioser Ausprägungen in sich, wie auch die aktuelle Gegenwart bestens beweist. Der Sohnemann als Erbe hält nur mehr 70 % des Unternehmens – die restlichen 30 % wurden mit dem Tod des Gründers an die Belegschaft überschrieben (die über einen eigenen Belegschaftsrat hierbei im Management des Unternehmens vertreten sind). Der Geschäftsführer kann ja trotzdem der Sohnemann sein. Stirbt auch dieser, so hat sein Nachfahre nur mehr 55 % des Unternehmens inne, ab der nächsten Generation sind mehr als die Hälfte in Belegschaftseigentum übergegangen, und 30 % gehören nur mehr den Nachfahren des Gründers. Dies verringert die dynastische Bevorzugung durch die Entwicklung eines Geldadel und soll auch die nächsten Generationen wieder zu Gründern machen und zu Kreativität anspornen.

Zusammenfassung:

Extremkapitalismus wird verhindert über:

– Abgabenmäßige und förderungsmäßige Umsetzung einer Umverteilung von unten nach oben:

Wer mehr verdient zahlt mehr Steuern und sonstige Abgaben, wer nur ein kleines Grundstück hat zahlt gar keine Grundsteuer, ab einer gewissen Grundgröße ist Grundsteuer zu zahlen, der Grundsteuersatz steigt mit der Größe des gesamten persönlichen Grundbesitzes, ab einer gewissen Größe darf es nur mehr möglich sein, daß der viele Grund behalten werden kann (wegen der Leistbarkeit), wenn auch entsprechend viel verdient und hereingewirtschaftet wird. Ansonsten muß der Großgrundbesitzer halt wieder was verkaufen.)

– Spezielle Regelung von Erbschaften:

Die Vererbung und Schenkung von viel Vermögen muß in geeigneter Weise unterbunden werden können, um das Entstehen von Dynastien, Geldadel und Großkapitalkumulation über viele Generationen hinweg zu verhindern.

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Eine Antwort zu “Sinnvolle politische Maßnahmen zur Verhinderung von Extremkapitalismus

  1. Extremkapitalismus muss verhindert werden. Das sind gute Gedanken. Mit mehr politischer Freiheit der Bürger, mehr unmittelbarer Demokratie – ähnlich des Schweizer Modells – in wichtigsten Fragen, könnten solche Modelle auch diskutiert, formuliert, darüber abgestimmt undmit entsprechenden Gesetzen ins Recht gesetzt werden. Innerhalb der EU ist uns das verwehrt.

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