Alternative Geldsysteme Teil 1: Silvio Gesells Freigeld, WÄRA, Wörgler Wirtschaftswunder, zinslose Geldsysteme, Islamisches Bankensystem

Silvio Gesells Freigeld: ein System ohne Zinsen, sondern mit (quasi) Negativzins auf Geld

Dieses Konzept beruht darauf, daß Geld regelmäßig z. B. 1x pro Monat entwertet wird. Das soll dazu dienen, daß das Horten von Geld keinen Nutzen mehr hat, sondern es sinnvoller ist, das Geld rechtzeitig auszugeben.

„Freigeld
Hauptforderungen der Geldpolitik sind:
– Einführung einer umlaufgesicherten Währung
– Abschaffung des Goldstandards“
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwirtschaft#Freigeld_.28Geldreform.29

Meiner Ansicht nach könnte ein solches Konzept dazu führen, daß ein Ansparen von größeren Beträgen erschwert wäre. Auch die Kapitalbeschaffung könnte in solchen Systemen ein Problem darstellen. Es gibt allerdings auch Leute, die sich dazu bereits Konzepte zur Abschwächung dieser negativen Punkte überlegt haben. Ganz gelöst scheint mir das Problem allerdings nicht.

Heute ließe sich eine umlaufgesicherte Währnung noch besser umsetzen durch täglichen Verfall des Wertes (natürlich in keinem größeren Ausmaß als bei der monatlichen Variante). Dies würde den Vorteil bieten, daß nicht jeder immer zum selben Zeitpunkt die Geldscheine los werden wollte. Mit rein elektronischem Geld wäre das heute kein Problem mehr, soetwas umzusetzen.

Mehr zum Thema:

Das Freigeldkonzept von Silvio Gesell – ein System mit Negativzins auf Geld

In diesem Artikel findet sich auch eine Beschreibung eines Praxisexperiments mit dem Regiogeld „Wära“ in Deutschland.

Weiters gab es einen weiteren erfolgreichen Einsatz von Freigeld in Wörgl in Tirol.

 

 

Ideen, Sichtweisen und Überlegungen zum Zinseszinssystem und zu einem zinslosen Geldsystem

 

„Fragen zur Staatsverschuldung“

<<Ein zinsloses Geldsystem gibt es nicht. Da bilden sich nämlich mindestes 3 Fragen:

1. Warum sollte der Verleiher (=Kreditgeber) eine dokumentierte Forderung (=Geld) auf etwas bestimmtes akzeptieren als das Bestimmte selbst (weiterhin?) in den Händen zu halten?

Im Sinne von: lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

2. Wo ist der zeitliche Vorteil (=Zins) für den Verleiher (=Kreditgeber) gegenüber dem Ausleihenden (=Kreditnehmer), wenn der Zins wegfiele?

Liegt der Zins bei 0, so ist der Ausleihende in der Bringpflicht, das Ausgeliehene im Zustand zum Zeitpunkt der Ausleihe zurückzugeben. Bei jeder gewöhnlichen Leihe wird hier klar, dass dem Ausleihenden dafür Zusatzkosten entstehen, die für den Verleiher einen zeitlichen Gewinn bedeuten. Die Forderung selbst (also Geld) ist dabei leider (nahezu, Stichwort: Währungsreform oder Inflation) immer im Zustand des Ausleihzeitpunkts, so dass hier nicht dem Ausleihenden, sondern dem Verleihenden Zusatzkosten entstehen (Opportunitätskosten = entgangene Zinsgewinne bei alternativer Anlage und Inflationsverlust).

3. Wie finanziert man generell vor?

Wir funktioniert ein Produktionsvorgang? Was passiert am Anfang der wertschöpfenden Produktionskette?>>

Quelle: https://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=149&t=16997&start=15

 

„Weg mit den Zinsen“

http://www.ericfricke.de/media/zinsen.html

 

„Zinsloses Geld – Reloaded“

http://www.heise.de/tp/artikel/32/32898/1.html

 

Islamisches Bankensystem

Eine Sonderform des zinsenlosen Geldsystems ist auch das bereits seit Jahrzehnten praktizierte „Islamische Bankensystem“.

Der Wikipedia-Artikel erklärt dies denke ich recht gut: „Islamisches Bankwesen“

https://de.wikipedia.org/wiki/Islamisches_Bankwesen

„Islamische Banken sind die Gewinner der Krise“

http://www.welt.de/finanzen/article3523621/Islamische-Banken-sind-die-Gewinner-der-Krise.html

<<Islamische Finanz
Die zinslose Ökonomie – eine sichere Bank?

Die „islamische Finanz“ bewirbt sich als fest auf dem Boden der Realwirtschaft verbliebene Alternative zum entfesselten westlichen Kapitalismus. Hält sie ihr Versprechen?>>

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/islamische-finanz-die-zinslose-oekonomie-eine-sichere-bank-11736495.html

<<Zinsen verboten: Das islamische Bankensystem>>

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16728/1.html

Dazu möchte ich noch ergänzen, daß ich ganz sicher nicht für die Einführung der Scharia in Mitteleuropa bin, aber es gilt noch immer „Ehre, wem Ehre gebührt“: Dieses System dürfte ganz gut funktionieren. (Nur weil kein Schweinefleisch in  den eigenen Veranlagungen gehandelt werden darf wird sich kein Christ oder Atheist dabei etwas abbrechen. Die Schlachthofaktie kann er sich auch woanders kaufen, wenn er unbedingt möchte. Und nur weil er bei einer solchen Bank solche Veranlagungen hat heißt das ja nicht, daß er sich nicht selber beim Fleischhacker eine Blunzn oder eine Leberkässemmel kaufen darf/kann. Viel wichtiger finde ich dabei schon einmal den gedanklichen Zugang, zu versuchen, die Wirtschaft nach Regeln der Anständigkeit auszurichten.)

Wichtige Vorteile:

– Es handelt sich um ein zinsloses System.

– Ethische Gesichtspunkte werden in Veranlagungsentscheidungen miteingebunden. (Die angewandte Ethik beruht hier auf dem Islam. Da ich kein Islamspezialist bin weiß ich nicht, welche Faktoren das genau umfaßt.)

– Wenn man sich das System (-> Wikipedia-Artikel oben) so durchliest, macht es ganz allgemein einen durchdachten, einigermaßen anständigen (zumindest viel viel mehr als im Extremkapitalismus, wo der rollende Dollar alles bestimmt und regelt) und brauchbaren Eindruck.

Allgemein gilt es hierzu zu sagen: Das System und seine Funktionalitäten und Eigenschaften sollten relevant sein, und nicht seine Herkunft. (Jeder Systembeurteiler sollte so weit sein, daß er abstrahieren kann und System und Herkunft trennt. Dies sei auch all den Radikalisten wie Linksradikalen und Rechtsradikalen gesagt: Denken und Demokratie gehen Hand in Hand. Demokratie ist ohne Denken nicht viel wert. Und leider wird in unserer Pseudodemokratie zu wenig gedacht – v. a. zu wenig frei gedacht. Dogma hat dabei nichts zu suchen. Die Herkunft einer Idee tut zur Bewertung von Eigenschaften, Richtigkeit einer Überlegung und potentiellem Nutzen und Wert nichts zur Sache. Also: weg mit allen Animositäten bei Handlungen des reinen Intellekts. Alles andere hindert nur beim klaren Denken.)

Wenn man dieses System als eine Ausgangsbasis für weitere Überlegungen zu einem ethischen Bankensystem heranzieht, so sollte dabei auf jeden Fall eine Berücksichtigung von sozialen Faktoren (Arbeitssicherheit, Mitarbeiterschutz, …) und Umwelt-Faktoren bei Investitionen erfolgen. D. h. bei entsprechender Gestaltung wäre es vorbei mit der „Mitschuld“ an Erdölbohrtürmen im Meer und dabei verursachten Umweltverschmutzungen. Keine indirekte „Mitschuld“ mehr an der Ausbeutung bei der Billigst-T-Shirt-Produktion. u.s.w.)

 

 

Wie man sieht, gibt es bereits einige brauchbare Alternativen zum derzeitigen Freihandels- und Zinseszins-Wirtschaftssystem (in unterschiedlichem Reifegrad).

 

Alle Artikel der Reihe „Alternative Geldsysteme“

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