Was ist böse? Begriffe „böse“ und „Das Böse“ – Teil 1

Das „Böse“ oder das Eigenschaftswort „böse“ sind den meisten Menschen ausreichend ein Begriff, daß sie damit etwas anfangen können. Manche Pseudointellektuelle behaupten dann, daß sie mit diesem Begriff nichts anfangen können oder leugnen die Existenz des Bösen oder behaupten daß alle Menschen nur gut wären.

Nun, ich denke, daß bis auf diese wenigen Ausnahmen jeder Mensch der bei Verstand ist in wohl allen Kulturen dieser Welt etwas mit dem Begriff „böse“ anfangen kann (genauso wie jeder etwas mit den Begriffen „weit“ oder „nah“, „tief“ oder „hoch“ etwas anfangen kann). Das ist wohl auch ein Grund dafür, weshalb scheinbar nicht sonderlich oft nach einer Definition dieses Begriffs verlangt wurde.

Ich möchte mich hier dennoch mit dem Begriff des Bösen, mit dem Bösen, an dieser Stelle näher auseinandersetzen.

Zum einen ist es ein Begriff, der die meisten Menschen mit einer Mischung aus einerseits Faszination, andererseits auch Abstoßung, Grausen, dem Bedürfnis sich abzuwenden oder zurückzuziehen, erfüllt.

Nun habe ich mich daran getan, eine Definition für das Böse oder für Böses zu finden.

Zum einen wird das Eigenschaftswort „böse“ von manchen Theoretikern nur auf Handlungen bezogen. Es besteht heute in gewissen „Schulen“ die Sichtweise, daß ein Mensch nicht böse sein könne. Doch das widerspricht eigentlich jeglicher Wahrnehmung der Menschen. Es wird behauptet, die Handlungen an sich seien böse, der Mensch aber nicht. Das ist m. E. absoluter Nonsense.

Im Gegenteil hat sogar jeder Mensch das Böse irgendwie in sich. Einzelne Menschen gehen nur unterschiedlich mit diesem Keim in sich um. Die einen lassen sich vom Bösen beherrschen, oft ihr ganze Persönlichkeit. Das sind dann oft die Verbrechertypen, einige Häfnbrüder, die „harten Burschen“ (und „Weiber“), die „harten Knochen“. Manche lassen sich zum Bösen nur unter bestimmten Umständen hinreißen, z. B. in Situationen, in denen sie auf Gewalt programmiert sind durch ehemalige Erfahrungen oder auch nur in Situationen eines gewissen Bewußtseinsmangels z. B. unter Alkoholeinfluß, etc. Manche bringen ihren bösen Tendenzen wenig, manche keinen oder kaum einen, und manche enormen Widerstand entgegen. Bei anderen ist es gar nicht mehr erforderlich, diesem Keim des Bösen in ihnen Widerstand entgegenzubringen, weil dieser so domestiziert ist, daß gewalttätige oder böse Handlungen durch diese Person fast unmöglich scheinen, was allerdings meistens auch darin resultiert, daß eine solche Person einer bösen Person gegenüber auch absolut hilf- und wehrlos ausgeliefert wäre oder ist. Aus diesem Kreis von Menschen gibt es Leute, die genau darum wissen und deshalb Angst vor anderen Menschen haben.

Der Friedfertige fürchtet sich also vor dem Terroristen, vor dem Krawallbruder. Irgendwie verständlich.

Wenn die Schwingung zwischen Menschen paßt, werden sie sich gut verstehen. Der Ängstliche oder der zivilisierte Mensch wird sich kaum gern mit Gewalttätigen oder Proleten abgeben. Der hohe oder der musische Geist wird sich nicht mit plumpen primitiven tierähnlichen Gestalten abgeben. Der eine fühlt sich vom anderen wohl angewidert, als ob sie nicht von der selben Welt wären. (Sind sie genau genommen bzw. gewissermaßen auch nicht. Sie leben in unterschiedlichen Welten.) Und meistens beruht dies nach einer gewissen Zeit auch auf Gegenseitigkeit.

Manche Menschen meinen auch, es sei gar nicht leicht, das Böse zu definieren. Das wäre da genau das selbe wie mit dem Wort „Arschloch“. Für den einen ist der eine ein Arschloch und gewisses Verhalten in Ordnung, für den anderen wäre es überhaupt nicht so. Nun: ich sehe das nicht so. Eigentlich ist beides relativ einfach und klar nachvollziehbar zu definieren.

Bleiben wir mal bei der Definition des Begriffs „böse“, um den es in diesem Artikel ja geht. Da jeder Mensch einen Konnex zum Begriff des Bösen hat und mit diesem Begriff was anfangen kann, wird fast jeder etwas damit anfangen können, wenn ich sagen würde, böse Menschen vollziehen böse Handlungen mit Absicht. Zweifellos ist ein böser Mensch, wer böse Handlungen absichtlich vollzieht. Böse Handlungen sind solche mit (Fremd-) Schädigungsabsicht. Die bösen Handlungen gehen auf einen bösen Geist zurück, über den der betreffende Mensch verfügt. D. h. der Geist des entsprechenden die böse Handlung vollziehenden Menschen ist im Modus „böse“. Das ist wie eine Einfärbung des Geistes (so wie das ja allgemein auf alle Stimmungen und Gestimmtheiten zutrifft), also wie ein Schwamm (der Geist), den man in einem Kübel mit eingefärbtem Wasser schmeißt. Der Geist saugt sich voll mit der Farbe und ist dann rot, blau, violett, gelb – was auch immer.

Der meschliche Geist ist wie ein solcher Schwamm. Es ist natürlich, daß dessen Farbe sich im Laufe des Tages ändert. Wenn der Mensch in den Modus „böse“ kommt, dann ist er entsprechend „eingefärbt“. (Das ist natürlich eine Allegorie.)

Dieser Modus „böse“ ist dadurch gekennzeichnet, daß der so eingefärbte Mensch Lust empfindet, Böses zu tun. Sprich er will andere Menschen schädigen, um sich daran zu ergötzen, um Lust dabei zu empfinden, um dabei Spaß zu haben (eine typische Aussage einer bestimmten Kategorie von Mensch, die zum Bösen neigt, ist „Aber ich will doch auch meinen Spaß haben…“ – als Begründung für deren böses Verhalten). Oder sie kommen in einen Zustand der Wut, der Aggression, des Zorns, der sie mit Haß erfüllt, welcher wiederum sie zu bösem Verhalten oder auch zu gewalttätigem Verhalten anspornt. Es ist quasi ein innerer Trieb zum Bösen in diesem Menschen angekommen. Er will den anderen ins Gesicht schlagen, ihn demütigen, ihm Knochen brechen, ihn schädigen. Er will dies aufgrund von Wut und Haß oder aufgrund von Lust oder einer Mischung aus solchen oder verwandten Gefühlen. Nun, genau diese Schädigungsabsicht ist nun als eigentlich böser Keim zu erkennen, der zum Leben erwacht ist. Wenn er diese Handlung vollzieht oder ernsthaft versucht diese zu vollziehen, dann ist der Mensch böse. Wenn er ernsthaft versucht, diesen Keim in Zaum zu halten, so ist er wohl nicht wirklich böse. Wer also absichtlich mit Schädigungsabsicht einen anderen zu Schaden, zu Verletzung (körperlich, im Ansehen, seelisch, whatever), führt, der ist böse. In diesem Moment ist er auf jeden Fall böse. Die Anzahl an bösen Gestimmtheiten dieser Person pro Zeiteinheit/in einem beschränkten überschaubaren Zeitraum sagt etwas darüber aus, ob er eher allgemein als böse zu betrachten ist oder ob er vielleicht nur in irgendwelchen ganz seltenen Ausnahmefällen die Grenze zum bösen Handeln überschritten hat. Nicht nur seine Tat ist böse, sondern die Tat ist böse, weil der böse agierende Mensch böse eingefärbt ist!

Seine Schuldhaftigkeit im bösen Handeln erhöht sich auch noch mit dem Grad an Lust oder Dominanzsucht, die er bei seinem bösen Handeln empfindet.

Das Böse kann man letztenendes in folgendem Umfang fuzzy-logic-mäßig definieren: es handelt sich um absichtliches Schädigungsverhalten mit schädigungswilligem Bewußtsein. Je höher das Lustempfinden, die Schadenfreude und der Grad an Sadismus dabei ist, umso böser ist der Mensch. Je öfter solche Situationen im Leben dieses Menschen vorkommen, umso böser ist der Mensch. Je geringer seine Selbstbeherrschung in puncto Unterdrückung des Keims des Bösen ist, desto böser ist der Mensch. Je mehr dieser Mensch allgemein zur Dominanzsucht neigt, umso böser ist der Mensch.

Ist die böse Handlung nicht absichtlich sondern nur fahrlässig zustande gekommen, so ist die Bösartigkeitseigenschaft von reduziertem Ausmaß.

Soviel zur Definition. Der Begriff des Bösen ist umgeben mit anderen Begriffen wie Boshaftigkeit, Bösartigkeit oder Bosheit. Sadismus, Schädigungslust, Lustempfinden am Schädigen und Quälen, Lust am Ausüben von Folter, etc.  Sich selbst daran aufzubauen, daß man einen anderen erniedrigt. Etwas weiter entfernt befinden sich Begriffe wie Geringschätzung der Rechte anderer, Geringschätzung von Personen oder anderer im allgemeinen, Dominanzwillen, Dominanzsucht, Herrschaftswille. Durchsetzungswille. Niederträchtigkeit. Noch weiter entfernt befinden sich Begriffe wie Rücksichtslosigkeit und Egoismus.

Ebenfalls wichtige Begriffe und Konnotationen in diesem Umfeld sind die Bereitschaft, sich gehen zu lassen, der Wille zur Selbstbeherrschung oder zur Ausübung von bösartigen Akten, sowie eine allgemeine Verdorbenheit. Die Qualität des Charakters ist etwas, das mit dieser Thematik in engem Zusammenhang steht.

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